Mathias Haack – Das Interview

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m_haack_heuteEs gibt am Trickflug-Himmel eine Handvoll Piloten die mich immer wieder zum Staunen bringen, die mich motivieren besser zu werden und denen ich wohl stundenlang beim Fliegen zu sehen könnte. Dazu gehört neben Mathieu Mayet, Richard Debray und Chriss Goff ganz klar Mathias Haack!
Jeder von Ihnen hat seinen eigenen Stil und jeder von Ihnen wird genau wegen diesem unverkennbaren Stil von mir bewundert. Mathias‘ Flugstil würde ich am liebsten mit minimal auf den Punkt beschreiben. Für mich ist sein Flugstil vor allem wegen der Genauigkeit und der extrem perfektionierten Piloten Bewegungen so beeindruckend – Seine enorm hohe Trefferquote bei schweren Tricks gerät dabei für mich fast gänzlich  in den Hintergrund!
Seit einiger Zeit fliege ich eigentlich nur noch Drachen, die er entwickelte, oder zumindest maßgeblich daran beteiligt war. Und so wurde sein Flugstil auch irgendwann zu dem meinen (zumindest zum ersehnten).  Alle Drachen aus seiner Hand haben diesen unvergleichlichen Stil, diese Präsenz in den Tricks und die Möglichkeit sie eben genau so zu fliegen wie Mathias es am liebsten tut  – auf den punkt!

Ich fliege wahnsinnig gern mit ihm zusammen und selten (eigtl. noch nie) hab ich mich mit jemandem so hochgepuscht wie mit Mathias. Das erste mal das mir die Kinnlade runter fiel war als ich das TNT Video aus Berck sah. Ich weiß nicht wie oft ich mir dieses anguckte…vermutlich könnte ich es heute noch auf den Punkt nachfliegen!

Das Kennelernen in Wittenberg mit Mathias und den TNTs stellte sich im Nachhinein als Meilenstein für meinen fliegerischen Werdegang heraus. Ich sog alles auf was er mir sagte, trainierte noch besessener und kam an ein, zuvor nie erwartetes Level – DANKE Mathias!

Aber wer steckt eigentlich hinter dem Piloten?

m_haack_eurocupBereits 2001 flog Mathias, mit damals 15 Jahren beim FLD (Förderverein des Lenkdrachensportes Deutschland) das erste mal einen Wettkampf mit. Im folgenden Jahr landete  er in der Intemediate Klasse sofort auf dem ersten Platz  und wurde somit Deutscher Meister 2002!
In den Folgejahren 2003 und 2004 sicherte er sich einmal in der Experienced Class und einmal in der Masterclass den zweiten Platz.!

Wie alles Begann und vieles mehr könnt ihr nun im Interview nachlesen….

 

Wann hast du Lenkdrachen das erste mal bewusst als Sportgerät wahrgenommen?

Das erste mal als Sportgerät hab ich Lenkdrachen während einem Familienurlaub in St. Peter-Ording wahrgenommen. Da war ich noch super jung!

Wie ging es dann weiter? Hast du dir sofort einen eigenen Drachen gekauft?

Klar. Ich wollte auch unbedingt sofort so ein cooles Ding haben. Mit Trickflug hatte das ganze damals allerdings noch nichts zu tun. Am Strand sind alle nur Kreise und Geraden geflogen. Je größer der Geier, desto cooler war es… 😉  Damals war Drachenfliegen für mich hauptsächlich ein cooler Sport für den Urlaub. Richtig in Berührung mit Trickflug kam ich erst im Jahr 2000.

Wie oft warst du in deiner Anfangszeit fliegen?

Als ich den Trickflug im Jahr 2000 voll für mich entdeckt habe, ging  ich in Oberstenfeld und etwas später dann bei den Drachenfreunden Heuchlinger Höhe sehr regelmäßig auf die Wiese.

Warst du anfangs allein auf der Wiese?

Bei den Drachenfreunden gab es damals ’ne sehr aktive Gemeinschaft. In der Zeit stand ich viel mit den Jungs aus deren Wettkampfabteilung auf der Wiese.

Wie bist du zum Wettkampfformat STACK gekommen? Wie oft warst du nun fliegen? Hast du dein Fliegen als Training für den Wettkampf gesehen? Und warum hast du aufgehört STACK zu fliegen?

Ich bin da mehr so reingerutscht. Die Jungs von den Drachenfreunden sind damals alle Stack geflogen und es war dann relativ schnell klar, dass ich das auch mal ausprobieren werde. In der Anfangszeit habe ich es schon als echtes Training angesehen. Ich war aber immer mit sehr viel Spaß auf der Wiese, richtig heiß aufs Fliegen und habe jede Minute genossen. Zum Glück ist mir diese Leidenschaft bis heute erhalten geblieben. Aufgehört mit STACK habe ich, als ich mit der Schule fertig war.

Was war der erste Trick den du wirklich reproduzierbar fliegen konntest und wie lange hast du gebraucht um diesen zu erlernen? Mit welchem Drachen war das?

Ich hab Trickflug bewusst mit dem Skymax .909 gelernt. Damals war das Ziel ein sauberer Axel. An dem hab ich mir ziemlich lang die Zähne ausgebissen. Der Skymax fängt aufgrund der großen Flaps bei schlechtem Setup sofort die Leine. Daher war es extrem wichtig, erst einen sauberen Stall zu beherrschen.

Weißt du noch ungefähr  in welcher Reihenfolge du danach weitere Tricks gelernt hast?

Danach gings weiter mit Insane und Flic Flac.

Was ist deiner Meinung nach, das Wichtigste, was man können sollte, bevor man um überhaupt mit Trickflug anfangen kann?

Ich denke, man sollte ein Verständnis des Windfensters haben (wo ist die Powerzone, wie muss ich mich mit dem Kite bewegen um eine konstante Geschwindigkeit zu haben). Danach kann man anfangen kontrolliert Ecken zu fliegen.

Wieso hast du angefangen eigene Drachen zu bauen? Wie hast du Armin Pfeiffer kennengelernt?

Armin habe ich über einen Bekannten kennengelernt. Armin war früher immer auf der Katharinenlinde in Esslingen unterwegs (übrigens von der Aussicht her ein sehr geiler Spot!). Der Backspin war damals gerade en-vogue, jedoch konnte den Trick keiner auf der Wiese fliegen und Armin war sich nicht sicher, ob sein Kite den Trick drauf hat. Wir haben dann mal zusammen einen Nachmittag auf der Wiese verbracht.  Armin hat mir viel über seine Philosophie beim Drachenbauen und Entwerfen erzählt. Das fand ich damals sehr beeindruckend.

Wann wie und wo hast du Heiko Eikenberg kennengelernt? Wann habt ihr angefangen den NRG zu bauen, was war euer Ziel?

Heiko habe ich zum ersten Mal auf einem Wettkampf in Cuxhaven (ich glaube es war 2002) getroffen. Wir waren damals beide Starter in der Intermediate Klasse und haben damals vor dem Wettkampf zusammen Pflichtfiguren trainiert.
Die NRG Entwicklung begann gegen 2004. Wir beide wollten weg von der extremen Materialschlacht, die sich damals abgezeichnet hat (ich flog zu dem Zeitpunkt NSR für die Pflichtfiguren und Skymax .814 im Ballet und im Freestyle). Der NRG ermöglichte es, dann mit nur einem Set bestehend aus 4 Kites an den Start zu gehen.

Warum dann der TNT?

Der TNT kam 2008 auf den Markt. In der Zeit tat sich im Trickflug eine Menge. Ich wollte auch die neuen heißen Tricks fliegen. Damals waren das hauptsächlich Taz Machines und Yofades.
Gerade die Yofades fluppten mit kleineren und gestreckteren Kites einfach besser 😉

Was ist aus Alphakites geworden?

Heiko widmet sich weiterhin Alphakites. Ich bin im vergangen Jahr ausgestiegen. Der TNT ist immer noch einer der angesagten Trickkites und bereitet vielen Piloten schöne Stunden auf der Wiese.
Für mich steht seit letztem Jahr das Hugo Projekt ganz klar im Fokus, das ich zusammen mit Thorsten Mikus auf die Beine gestellt habe.

Wie viel Stunden deines Lebens, schätzt du, hast du mit Drachenfliegen verbracht?

Eine ganze Menge! Aber ich bereue keine einzige Minute, die ich mit Schlaufen in der Hand auf der Wiese oder am Strand verbracht habe!

m_haack_kapverdenWo warst du schon überall fliegen?

Deutschland, Frankreich, Spanien, Kanaren, Kap Verden, England, USA, Türkei, Schweiz. es sind mittlerweile echt einige Spots an denen ich schon einen quergezogen habe.

Was ist dein absoluter Lieblings-Spot?

Ich liebe immer noch den Strand in SPO. Hier hat schließlich alles angefangen.

Zu welcher Musik fliegst du am liebsten?

Kommt auf meine Stimmung an. Geht von Charts über Klassik bis zu Elektro.

Bei welchem Wind fliegst du am liebsten?

Konstante 15 km/h am Meer

Wo hast du Thorsten kennengelernt und wie hat sich das dann weiterentwickelt?

Auf dem Drachenfest in Welzheim. Bei scheiß Wetter… Wir hatten trotzdem ne Menge Spaß. Im darauf folgenden Sommer haben wir uns dann sehr häufig zum Fliegen in Malmsheim getroffen. Ich habe in der Zeit gerade das Setting für den TNT UL Comp gemacht und Thorsten fing gerade an, sich intensiv mit dem Thema Drachenentwicklung auseinanderzusetzen. Dieser Sommer war absolut gigantisch! Ich denke heute noch an die vielen Abende mit perfekter Strömung zurück.
Seit dem haben Thorsten und ich sehr viel zusammen erlebt, dabei immer Spaß gehabt und ne Menge Quatsch veranstaltet. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen und er ist mittlerweile zu einer der wichtigsten Personen überhaupt für mich geworden.

Was war euer Ziel als ihr angefangen habt Hugo zu entwickeln?

Wir wollten nen streßfreien Kite zum Pairfliegen, der auch bei Binnenlandwind konstant läuft und einen möglichst großen nutzbare Windbereich aufweist.

prototypWird es von dir und Thorsten bald etwas neues geben?

Ja, sicher 🙂 . Irgendwann wird es was Neues von uns geben. Wir haben auch schon ein paar konkrete Ideen in der Pipeline!

Wie oft kommst du momentan auf die Wiese?

Leider viel zu wenig. Aktuell schaffe ich es ca. jede zweite Woche für ein paar Stunden rauszukommen.

Was hat dich bewegt dieses Jahr in Holland an der Tricksparty teilzunehmen?

Ich kenne ein paar von den holländischen Tricksparty Piloten von früher. Es ist ein super sympathischer Haufen, die das Thema Wettkampf sehr entspannt angehen. Da ich gerade die meiste Zeit in Düsseldorf verbringe hat sich ein Ausflug nach Holland auch super angeboten.

Ist es wahr, dass du keine Choreographie hattest?

Das stimmt. Im Vergleich zu früher war ich echt lausig vorbereitet. Am Abend vor der Tricksparty bin ich zum ersten Mal mit der Musik auf die Wiese gegangen und habe ein paar Elemente festgelegt. Der Rest war dann reine Improvisation.

Welche Tricks bis du im Ballett geflogen?

Ich hab mich insgesamt ziemlich zurückgehalten. Der Wind war an dem Tag super böig. Das wichtigste war, einfach komplett durchzukommen und keinen Hänger zu haben. Ich habe deshalb, bis auf einen Lewis, komplett auf Yoyotricks verzichtet und bin nur Sachen geflogen, die beim Auslösen kaum Risiko beinhalten, da man den Kontakt zum Kite nicht so lange verliert.

Wie baust du eine Choreographie für ein Ballett auf?

Ich habe kein wirkliches Konzept. In der Regel suche ich mir eine Musik aus und baue mir dann nach und nach auf der Wiese eine Choreographie zusammen. Für Demos reicht es meist, wenn man sich ein paar Highlights raussucht und die dann immer gleich und sehr präzise fliegt.

Wie glaubst du entwickelt sich Trickflug (weiter) ?

In letzter Zeit haben sich extrem viele neue Kombinationen entwickelt. Die Kites werden aktuell wieder kleiner und radikaler. Das ist ein Trend, den ich sehr spannend finde, weil er zyklisch aufzutreten scheint.

Was glaubst du, warum verbaut keiner mehr G-Force bzw. wird Avia allgemein so wenig bis gar nicht mehr eingesetzt?

Avia hat eine schwere zeit hinter sich. Gewickeltes Material war lange Zeit nicht verfügbar. Viele Hersteller haben sich dann gezwungener maßen nach Alternativen umgesehen und sind fündig geworden.

Wärst du bereit 50€ für ein Stab auszugeben?

Ich wäre so verrückt. Aber nur, wenn es mir einen wirklichen Benefit bietet.

Welches ist dein Lieblings-Drachenvideo?

Das Next Video von R-Sky. Richards Performance war damals sowas von seiner Zeit voraus.

Fliegst du besser wenn du betrunken bist?

Gefühlt ja, für den Beobachter eher nein 😉

Welches ist dein Lieblings-Cocktail?

Vodka Kumquat:
2 EL brauner Zucker, 4 Kumquats (vierteln und mit Stößel andrücken),  4 cl Wodka, 
2 cl Lime Juice, 2 cl Orangensaft, das ganze mit ordentlich Crushed Ice

Reizen dich stablose Powerkites?

Ja, definitiv. Allerdings eher zum Kitesurfen. Auf festem Untergrund bevorzuge ich dann doch Trickkites.

Hast du mal anderen Flugsport ausprobiert?

Nein, bis jetzt noch nicht.

Hast du auch Einleiner?

Einen Genki zum Spielen bei Leichtwind und Thermik,

Ich werde häufig gefragt, ob man sich Hugo oder, da im Binnenland oft wenig Wind ist, besser gleich Bill kaufen soll – Was antwortest du?

Hugo ist auf jeden Fall die bessere Wahl für den Einstieg. Der Windbereich ist riesig und die Kiste läuft auch bei miserablem Wind ordentlich geradeaus. Gerade im verwirbelten Binnenlandwind kann etwas mehr Masse ab und zu von Vorteil sein, weil man besser durch die „Löcher“ durchkommt.

Braucht man neben dem Forum auch noch einen extra Blog für Lenkdrachen?

Klar. Eine aktive Szene lebt doch auch davon, dass Piloten, die etwas zu sagen haben, das an exponierter Stelle kundtun. Außerdem lese ich unheimlich gerne auch längere Artikel von Festivals, besonderen Aktionen und neuen Trends in der Szene. Ein Forum kann das bei weitem nicht so gut transportieren wie ein Blog.

Wenn du auf eine einsame Inseln müsstest, welchen Drachen würdest du mitnehmen

Hugo! Mir wird mit der Kiste einfach nie langweilig.

Was würdest du mit deiner Zeit machen, wenn es auf einmal nie wieder Wind geben würde?

Eine Windmaschine bauen :-p

Wenn du dich DAUERHAFT für eine der zwei Windstärken entscheiden müsstest: 3kmh oder 30kmh?

30km/h können ganz schön nerven, wenn man ein entspanntes Gespräch führen will. Von daher nehm ich dann lieber die konstanten 3km/h…

Kannst du auch ohne Hut fliegen?

Klar, es geht auch ohne Kopfbedeckung. Der Hut schützt aber extrem gut vor Sonnenbrand an langen Drachenfesttagen 😉

Gab oder gibt es “Vorbilder” im Drachensport für dich?

Ich hab extrem viel von Jonas Seitz (dem Entwickler des Sykmax) gelernt. Jonas war in allem was er Tat ein absoluter Perfektionist. Das zeigte sich insbesondere in seiner extremen Drachenkontrolle. Als ich das erste Mal eine Demo von ihm sah, war ich tief beeindruckt. Es gab da eine Sequenz mit mehreren Stalls und Landungen. Der Kite Stand wie angenagelt in der Luft und knallte perfekt auf den Beat runter auf den Boden in nen knackigen Spike- der absolute Hammer!

Was machst du eigtl. beruflich?

Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und schreibe gerade meine Abschlussarbeit.

Danke für dieses Interview, wir sehen uns auf der Wiese!

Und hier noch einige aktuelle Videos von Mathias.

4 Gedanken zu „Mathias Haack – Das Interview

  1. Hallo,
    habe diesen Drachen – Hugo Freistil – heute auf der Drachenwiese in Dornumersiel gesehen, und auf der Suche wo man diesen Drachen kaufen könnte auf diese Seite gestoßen. Wäre es möglich auch diese Nachricht weiterzuleiten?
    Vielen Dank
    Klaus

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