AVATAR- Atelierkites – TESTBERICHT

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In letzter Zeit kommt einiges aus dem Hause Atelierkites, erst der Curve, dann Slash in seinen unterschiedlichen Versionen vom günstigen STD, über den STD in Full Aero Stuff, wie auch die zwei Varianten für wenig Wind, den Lite und für viel Wind den VTD (vented). Doch nun legen Ramlal Tien und Chef-Entwickler Mathieu Mayet noch mal einen oben drauf und schmeißen einen Fullsize Präzisionsdrachen mit ganz besonderen Features und Verarbeitungsdetails auf den Markt.

STUNTKITE.DE hat den neuen AVATAR für euch getestet

avatar11Schon seit einiger Zeit wissen wir, dass Ramlal und Mathieu an dieser Kiste schrauben und warteten sehnsüchtig auf die ersten Bilder. Ursprünglich suchten wir  nämlich etwas Teamflug-taugliches  für SUL-Wind und grübelten, nach Gesprächen mit Ramlal, über die Anschaffung von Masques mit einer Skyshark PT2 Bestabung. Er bat uns aber mit dem Hinweis „da würde bald was neues kommen„, um Geduld… also geduldeten wir uns und geduldeten und geduldeten…

Nun gibt es bereits Videos aus Berck, einen Beitrag auf französisch und einige Bilder auf Facebook. Wir konnten den AVATAR nun auch ausgiebig fliegen und berichten euch gern über diesen tollen neuen Drachen von Atelierkites!

 

Design

Design umfasst nicht nur lediglich die Optik, dass merkt man bei kaum einem anderen Drachen so deutlich wie beim Avatar. Vielmehr bedeutet avatar blue skyDesign, Funktionalität in Einklang mit Form und Farbe , wie auch die Interaktion mit dem Benutzer.
Im ersten Moment wirkt der Avatar fast schlicht für einen Drachen von Ramlal Tien, so glänzen seine Drachen sonst doch häufig durch die abgerundeten Ecken, reichlichen Paneele und diese einzigartige Handschrift von der Harmonie in einem Dreieck.
Doch eigentlich findet man, abgesehen von den runden Ecken, auch all das im Avatar wieder. Nur eben größer, oder gröber.  Noch nie hat mich die Form eines Kites so sehr in den Bann gezogen. Es ist ein großer Drachen mit, im ersten Moment doch eher viel Streckung für einen Präzisionsdrachen – so wirkt es zumindest. Das aber wirklich nur im ersten Moment. Im Himmel und unter Druck wirkt er komischerweise einfach anders und das obwohl er sich relativ wenig deformiert.
Die Form, vor allem die auf 5 Geraden verteilte Schleppkante, prägen das Bild des Drachen. Paneele werden fast unwichtig, ja vielleicht sogar störend. Die ersten Bilder die wir erhielten waren, in Bezug auf Farbe und Paneel-Aufteilung eher irgendwie ernüchternd aber mittlerweile wissen wir, dass Drachen erst im Himmel wirken und vollends zur Geltung kommen. Die Markante Form des Avatar macht hier keine Ausnahme, nein viel mehr noch, sie definiert diese Gesetzgebung neu. Noch nie und ich wiederhole mich gern, noch nie hat mich die Form eines Drachen so beeindruckt, überrascht und überzeugt.avatar sideslide
Die minimalistischen anthrazitfarbenen Paneele am Kielende sind die Bordüre für den großzügigen Mittelkreuzausschnitt welcher sich mit seinen stumpfen Winkeln perfekt in das Segel fügt und auch schon zum Aushängeschild für den Blackbird und den Teamdrachen von Groundcontrol wurde.
Man findet viel vom Masque wieder, viel vom Machine (Teamdrachen Groundcontrol) und auch irgendwelche Slash Gene sind zu erahnen. In der Gesamtheit ist der Avatar aber sicherlich einzigartig.

Ob Ramlal und Mathieu die folgenden Infos berücksichtigten, ist fraglich.

Das Wort AVATAR leitet sich aus dem Sanskrit ab. Dort bedeutet Avatāra „Abstieg“, was sich auf das Herabsteigen einer Gottheit in irdische Sphären bezieht. Der Begriff wird im Hinduismus hauptsächlich für die Inkarnationen Vishnus verwendet. Quelle

Präzision & Druck

avatar20Zwei Schleppkanten-Bereiche sorgen am Avatar für einen einzigartigen Sound. Dieser ist eine gute Mischung aus einem gut eingeflogenen, weichen Masque Segel, mit dem konstant hochfrequenten Surren eines Slash oder Blackbird. In den Turns wird der Avatar etwas lauter bzw. wird der äußere Bereich mehr unter Schwingung gesetzt und der Ton verändert sich auch etwas. Insgesamt ist der Kite etwas leiser als ein Hugo, ein North Shore, oder ein NRG.
Der Geradeaus-Lauf ist immens! Die Fluggeschwindigkeit ist mega konstant und niedrig, diese lässt sich über die Schnurlänge stark beeinflussen. Atelier gibt gleich drei Längen für den Avatar an: 38m für’s Einzelfliegen, 40m für Pair und 47m für Teams.
Wir sind den Drachen an 45m und 50m geflogen und ehrlich gesagt, würde ich ihn auch nicht unter 45m fliegen wollen, dass ist aber ein persönliches Geschmäckle, denn ich fliege immer so lang wie möglich und DAS ist mit dem Avatar gut möglich!

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Besonders bemerkenswert sind die Turns (engere Kurven und kleine Kreise)! Hier wird der Drachen einfach nicht schneller, wohingegen er sehr wohl schnell um die Ecke geht. Mit einer störrischen Ruhe dreht der Avatar selbst durch enge Spins ohne dabei schneller zu werden, so etwas hab ich noch an keinem Drachen erlebt. Somit brauchen wir auch nicht über Wackler nach einer Ecke zu reden, diese sind scheinbar unmöglich!?avatar15

Der Avatar ist vermutlich der erste Fullsize Carving Kite.
Atelierkites nutzten den Begriff Carving das erste mal beim Slash und danach gab es einige Diskussionen was genau damit gemeint ist. Für uns war es immer viel vom Gefühl des druckvollen Kurven-Fliegens, das Gefühl wie sich ein Slash um die Ekce winkeln lässt, wie er nach einer Wende Druck aufbaut. Auch lassen sich die Atelier Carving Machines sehr gut um die Ecke oder durch den Turn ZIEHEN anstatt durch push, oder push-pull maximal performen zu können. Ja es ist fast so als wenn sie diese Art der Ansteuerung favoritisieren würden, erst so ihr volles Potenzial, oder ihr wahres Gesicht zeigen – Das Carving-Gesicht!
Bei wenig Wind und damit meine ich Wind weit unter den angegebenen 10kmh wirkt der Drachen sehr steil und er startet wie ein Drachen mit enorm viel pitch. Er lässt sich auch bei 6 oder 8kmh schon recht gut fliegen. Sein volles Potenzial zeigt er aber und da bin ich Atelierkites dankbar,  erst ab dem sehr realistisch eingestuften Windbereich von 10kmh aufwärts. Bei Wind über den empfohlenen 30kmh sorgen die schräg gestellten 3mm GFK Standoffs und die aus Glasfaser bestehende obere Querspreize für enorme Laufruhe und einen moderat steigenden Druck. Die obere Spreize ist über ein Skyshark Kreuz mit dem Kiel verbunden und sorgt so dafür, dass sich die Deformation von Kiel und Leitkanten in definierten Grenzen hält.
Ramlal empfahl uns den Kite ruhig viel bei starkem Wind zu fliegen, da sich erst bei einem eingeflogenen Segel die volle Performance zeigen wird. Zusätzlich gab er uns den Tip, die Waage ab 25kmh auf die flache Einstellung zu schieben. Man muss wissen, dass die drei Markierungen nur ca. 1cm weit auseinander liegen – Auch dieser Drachen scheint also bis ans Limit entwickelt!

Tricks & Handling

avatar16Vor weg, der Avatar ist KEIN Trickdrachen, Zielsetzung war ein etwas umgänglicheres Handling als bei Blackbird und Co., harte 2-Punkt-Landungen sollten einfacher und Basic Tricks sollten möglich werden – Das ist gelungen!
Wir konnten selbst bei böigem Hackwind um 20Kmh Jacobs Ladder damit fliegen, allerdings zeigt die große Segelfläche nach der lateral Roll, also genau in dem Moment bevor die Nase hoch kommt, wie viel Druck der Wind von oben auf das Segel ausübt. Es ist ein ähnliches Gefühl wie bei einem Fury, geführte Backspins mag der  Avatar genau so wenig. Lieber kurz, hart, mit etwas mehr Slack. Danach allerdings hat man, während der turtle Phase, relativ viel Zeit den Drachen um die vertikale Achse zu  drehen.
Flatspins wie Slot und 540 sind, im Verhältnis zu Größe, verwendeten Stangen und  eigentlicher Ausrichtung doch erstaunlich einfach und auch schön. Taz Machines sind etwas kniffliger, gehen aber ohne weiteres.
avatar12Cometen lassen sich mit starken Armen auch bei viel Wind noch gut durch prügeln und sehr akzentuiert stoppen.
Im Fade merkt man die Handschrift von Mathieu und Ramlal, die Nase geht sofort weit hoch. An diese Art Fade musste ich mich lange gewöhnen, da man selbst hier wirklich Druck im Segel hat. Die hohe Nase ermöglicht/vereinfacht allerdings Backspins und Flic Flacs…. wenn man diese Eigenheit zu nutzen weiß.
YoYos sind mir nur über 2 Pop gelungen aber auch das nicht besonders einfach, es macht auch eigentlich nicht viel Sinn einen Drachen ohne YoYo Stopper zu wickeln, ausprobieren musste ich es aber natürlich dennoch.
Landen kann man den Avatar sehr hart und eng und das mit relativ wenig Aufwand. Einfache Axel-Wenden und der schnelle sofortige Druckaufbau danach machen das Handling wirklich toll.

In Puncto Trickfähigkeit wird sich aber vermutlich noch einiges tun, denn so wie mir Ramlal bereits verraten hat, ist eine Aero Stuff Version bereits in der endgültigen Testphase (ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest). Ich denke, dass diese Stäbe dem Avatar sehr gut stehen werden und die Performance besonders in Richtung Trick-Ansprechverhalten positiv verändern werden. Wir sind gespannt, denn was mit diesem Frame schon so gut funktioniert, kann mit Aero Stuff eigentlich nur besser werden!

Material, Verarbeitung & Preis

Wie bereits oben erwähnt wird es eine Full Aero Stuff Variante geben und auch eine Hybrid Version ist geplant. VTD und UL sind, obwohl selbst der P6 STD schon einen großen Windbereich abdeckt, selbstverständlich mit von der Partie.

Extrem schräger Standoff aus 3er GFK
Extrem schräger Standoff aus 3er GFK
Sexy Mittelkreuz Ausschnitt
Sexy Mittelkreuz Ausschnitt

Der geflogenen Testdrachen war die zum jetzigen Zeitpunkt erhältliche 6mm, P300 Variante für 269€.
Das ist, so finden wir, ein fairer Preis für einen so hochwertig und aufwendig produzierten Kite. Die 6mm Leitkanten erfüllen in Sachen Druck und Präzision voll ihren Zweck, ohne den Preis beachtlich nach oben zu treiben. Eine offene Kappnaht ist zwar vielleicht nicht das Optimum an Verarbeitung, lässt aber zusätzlich Luft für die relativ attraktive Preisgestaltung, welche laut Ramlal, auch Teil der Zielsetzung war, da er einen preiswerten Team-Kite entwickeln wollte.

Viele, auf den ersten Blick unscheinbare Verarbeitungs-Details, werden bei genauerem Hinsehen sehen zum Genie-Streich. So findet sich eine Gummi-Abspannung am Mittelkreuz, welches dem oberen Segelbereich ein aktives Arbeiten ermöglicht, während das Mittelkreuz nach unten hin selbst nicht abgestoppt wird und somit auch etwas arbeiten kann. Ob und in wie weit das alles Einfluss hat, kann man nur erahnen. Ich glaube aber die haben sich schon etwas dabei gedacht 😉

GFK Spreize im Skyshark Kreuz
GFK Spreize im Skyshark Kreuz
Winglet zum dahinschmelzen
Winglet zum dahinschmelzen

Suma summarum ist es einfach ein ehrlicher Drachen für einen fairen Preis, wenn man beachtet, dass mittlerweile alle Drachen direkt von Ramal selbst produziert werden und mit einer Maßhaltigkeit daher kommen die man sonst nur sehr wenig sieht.

Fazit

Der Avatar ist ein Präzisions-Monster der einfach Spaß macht. Sowohl alleine geflogen, so wie im Pair oder Team bekommt man reinrassige carving Gene, mörder Speedcontrol, mit anspruchsvoller Trickfähigkeit. Wer gerne Geraden zelebriert und Tricks auf den Punkt fliegt, Kites mit akustischer und optischer Präsenz mag, sich in Turns und voller Windfenster-Ausnutzung verliert, während der Drachen arbeitet, sich auflädt und voran marschiert – Der wird den Avatar lieben!

Chapeau!

 

2 Gedanken zu „AVATAR- Atelierkites – TESTBERICHT

  1. Hi Grischa ,
    Sehr schöner Bericht!
    Hab ihn jetzt schon mehrere Male gelesen und finde ihn immer noch interessant! Die Aufnahme vom Avatar , sind echt klasse…wirklich sehr gelungen.
    Gruß Thorsten

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